Zur Förderung von bodenständigen Rebsorten hat wein.pur zusammen mit der Landwirtschaftskammer Niederösterreich einen Preis zur "Weinvielfalt.Niederösterreich" ins Leben gerufen.
Die Sieger wurden am 24. September geehrt. Das Erfreuliche: Von den Winzern wurde der Bewerb sehr gut angenommen und insgesamt 240 Proben wurden zur Verkostung eingesandt. Die zweite erfreuliche Meldung dazu: Dem Team von wein.pur, allen voran Chefredakteur Alexander Magrutsch, der ein Verfechter regionaler Weine ist, hat die Verkostung viel Freude bereitet. Das auch deshalb, weil zahlreiche weniger bekannte Betriebe mit sehr guten Weinen auf sehr gutem 2- und 3-Gläser-Niveau reüssieren und damit überraschen konnten.
Die Sieger aus den fünf Kategorien Gemischter Satz, Neuburger, Weißburgunder, Rotgipfler/ Zierfandler und Blauburgunder werden am 24. September im EVN-Forum Maria Enzersdorf geehrt.
Johann Stadlmann, der Meister des Zierfandlers, begrüßt das verstärkte Interesse am Thema "Sortenvielfalt", da gerade ursprüngliche und traditionsreiche Rebsorten in Zeiten der zunehmend uniformen Weinwelt eine Bereicherung bringen: "Meist sind es die edelsten Weine, welche aus den traditionsreichen Sorten gekeltert werden – und dies nicht zufällig. Denn das wertvolle Wissen und die Erfahrung von Generationen stecken nicht nur in Vinifikation und Ausbau, sondern besonders in der selektiven Auswahl und optimierten Pflege von Rebsorte und Terroir."
Der Weißburgunder nahm erwartungsgemäß den Großteil der eingeschickten Weine ein. Das äußerst hohe Niveau dabei beweist, dass der Pinot blanc eine wertvolle Rebsorte ist und riesiges Potenzial in sich trägt. Laut Johann Topf passt Weißburgunder sehr gut zu den Böden und zum Klima des Kamptals. Aber auch vom Wagram, aus der Wachau, dem Weinviertel und der Thermenregion wurden wir mit einigen wunderbaren Exemplaren verwöhnt. Johann Stadlmann, der mit seinen 45-jährigen, selbst selektionierten Weißburgunder-Stöcken auf der Lage Höfen über enormen Erfahrungsschatz verfügt, konstatiert: "Die Rebsorte ist ungemein interessant und kann bei sorgfältiger Pflege auf Muschelkalk-Böden und behutsamer Vinifikation außergewöhnlich tiefreichende und zugleich elegante Weißweine hervorbringen. Der Weißburgunder eröffnet seinen wahren Zauber bei hoher Qualität und Konzentration in seiner Langlebigkeit. Es formen sich zusätzlich spannende Aromen während der Lagerung über lange Jahre hindurch."
Der Gemischte Satz zeigte nicht die Größe, die wir von manchen Betrieben Wiens gewohnt sind, aber durchaus trinkfreudige Qualitäten. "Früher war die Bedeutung des Mischsatzes höher – es war ja die damalige Art des Risikomanagements", meint Martin Arndorfer, dessen Rebensaft von dem 1958 auf Kleinterrassen gepflanzten Sortenmix die Jury überzeugte. Einen weiteren Vorteil des gemischten Satzes sieht Gerald Diem aus dem Retzerland in der Möglichkeit, unterschiedliche Bodentypen innerhalb einer Lage mit der jeweils geeigneten Sorte zu bepflanzen.
Die Serie der Neuburger empfanden wir als die schwächste, obwohl einige wenige Ausnahmen doch beweisen, was Neuburger kann. "Er gedeiht sehr gut auf schweren und kalkreichen Böden und bringt vornehm-zurückhaltende Weißweine mit feinem, nussartigem Geschmack und moderater Säure hervor", umreißt Johannes Hofer aus Gumpoldskirchen dessen Charakteristik. Aber leider erfährt die im Weingarten kapriziöse Rebsorte von vielen Winzern nicht die richtige Würdigung. Weil Neuburger nicht zu den primärfruchtigen Sorten zählt, hat er mit seiner zurückhaltend-noblen Art gegenüber Grünem Veltliner & Co bei den Konsumenten oft das Nachsehen.
Begeisternd hingegen waren die Rotgipfler und Zierfandler aus der Thermenregion. Rotgipfler- Spezialist Karl Alphart weiß, dass bei intensiver Arbeit am Stock die Qualität des Rotgipflers mitzieht. Unterlässt man dies allerdings, ist er ein Massenträger, der fäulnisanfällige Trauben und unbedeutende Weine liefert. "Mit Fleiß und Liebe entlockt man dieser Sorte großartige Geruchs- und Geschmacksnoten!", schwärmt Alphart und sieht den Rotgipfler voll im Trend, da er ausgezeichnet zu asiatischen Speisen passt.
Neben Weißburgunder und Rotgipfler ist es vor allem der säurebetontere Zierfandler, der international eben großes Aufsehen erregt. "Top-Sommeliers in den USA entdecken das große Potenzial des Zierfandlers und setzen diese Rarität auf die Karten legendärer Restaurants", berichtet Johann Stadlmann stolz.
Der größte Ansturm der Blauen Burgunder kam erwartungsgemäß aus der Thermenregion, wo der Verein der "Burgundermacher" beheimatet ist. "In der Ebene des Steinfeldes rund um Tattendorf spielen Pinot noir und St. Laurent die Hauptrolle", bestätigt Leopold Auer, der sich auf diese beiden Sorten spezialisiert hat. Aber auch das Kamp- und Traisental sowie der Wagram konnten mit fein gemachten Blauburgundern aufwarten. "Das Traisental mit seinem hohen Kalkgehalt ist praktisch ideal für alle Burgunder-Sorten. Manchmal hört man auch von Vergleichen mit dem Burgund", bekundet Thomas Dockner. Die Frage, ob auf die Sortenvielfalt mehr Augenmerk gelegt werden soll, bejaht Martin Arndorfer aus dem Kamptal. Mit der Einschränkung, sie nur dort zu forcieren, wo es Sinn macht: "Ein gehaltvoller, nicht zu fruchtbetonter Gemischter Satz, der auch die Herkunft transportiert, Neuburger auf Urgestein, Blauburgunder in einer kühlen Region auf dem richtigen Boden oder Rotgipfler und Zierfandler aus der Thermenregion haben auf jeden Fall einen höheren Stellenwert und mehr Beachtung verdient."