wein.purAusgabe 04/2009

Wagramer Selektion: Die feine Selektion

Am Wagram, dem jüngsten Weinbaugebiet Österreichs, herrscht eine atemberaubende Dynamik. Wesentlicher Motor dieser Bewegung ist die Winzervereinigung Wagramer Selektion.

Die sanfte Terrassenlandschaft östlich von Krems zeichnet ein beschauliches Bild in der von Reben umrankten Landschaft. Idyllische Winzerdörfer und die einzigartigen, tief in den Lössboden eingeschnittenen Kellergassen bieten klassische Postkartenmotive. Doch der Schein trügt. In den Kellern werkt längst eine junge Generation von enthusiastischen Winzern, die nur eines im Kopf haben: Spitzenweine aus Veltliner, Burgunder & Co zu produzieren. Eine kleine, aber überaus feine Auswahl dieser begeisterten Weinmacher hat sich zusammengefunden – in der Vereinigung der Wagramer Selektion.

Tradition & Innovation

Die Wagramer Selektion feiert heuer ihr 20-jähriges Jubiläum. Im Jahr 1989 von Karl Fritsch sen., dem Pionier des Wagramer Qualitätsgedankens gegründet, steht der Vereinigung heute ein höchst jugendlich-ambitioniertes Quartett vor: Mit Bernhard Ecker aus Mitterstockstall, Stefan Bauer aus Königsbrunn, Norbert Greil aus Unterstockstall und Franz Sauerstingl aus Fels am Wagram hat die Vereinsführung in den letzten Jahren eine sichtbare Frischzellenkur absolviert.

"Wir sind nach der Vinea Wachau die zweitälteste aktive Winzervereinigung in Österreich", freut sich Bernhard Ecker über die langjährige Vereinstradition. Die derzeit vorherrschende Bewegung und das zuletzt deutlich gestiegene Interesse am Gebiet und den Weinen vom Wagram sieht Ecker zu einem Großteil als Erfolg der intensiven Vereinsarbeit der vergangenen zwei Jahrzehnte. "Unsere Betriebe haben in den letzten 20 Jahren viel Geld in Werbung und Marketing investiert. Ein wesentlicher Meilenstein unserer Arbeit war schließlich die Anerkennung als eigenständiges Weinbaugebiet", nimmt Bernhard Ecker zumindest einen Teil dieses Erfolges für seine Vereinigung in Anspruch.

Aktuell zählt die Vereinigung Wagramer Selektion 14 Mitglieder. "Nachdem nicht nur an der Vereinsspitze, sondern in fast allen Mitgliedsbetrieben der Generationswechsel vollzogen ist, sind wir nun ein sehr junges Team im gesamten Verein", erklärt Stefan Bauer, stellvertretender Obmann der Selektions-Winzer. Das Durchschnittsalter der Winzer liegt heute bei rund 30 Jahren. "Wir haben innerhalb der Gruppe eine sehr gute Harmonie, ja sogar eher ein freundschaftliches Verhältnis untereinander. Wenn jemand Hilfe braucht, steht sofort ein Kollege zur Seite", schildert Bauer die sehr gute interne Kommunikation im Verein. Bernhard Ecker und Stefan Bauer sind sich daher auch einig, dass dieser Zusammenhalt ein maßgeblicher Grund für die qualitative Konstanz aller Mitgliedsbetriebe ist. Geschenkt ist dieser Erfolg allerdings nicht, denn "unsere Mitgliedsbetriebe müssen sich jährlich einer internen Qualitätsqualifikation stellen, um als Selektions-Betrieb anerkannt zu sein. Alle Weine werden blind verkostet und da muss schon die gesamte Palette qualitativ entsprechen, sonst gibt es keine weitere Berechtigung als Mitglied!", bringt Bernhard Ecker die strengen Anforderungen an die Kollegen konkret auf den Punkt und ergänzt: "Schließlich muss sich der Konsument darauf verlassen können, dass die Weine mit dem Emblem der Wagramer Selektion zu den Top-Produkten der Region zählen."

Steigendes Interesse

Das Weinbaugebiet Wagram bietet mit seinen tiefgründigen Lössböden vor allem für die Rebsorte Grüner Veltliner ganz ausgezeichnete Wachstumsbedingungen. Die Wagram-Veltliner bringen meist eine sehr eigenständige Charakteristik hervor, die sich von jener aus anderen Weinbaugebieten recht deutlich unterscheidet. Zudem zeichnen sich die Weine vom Wagram ganz allgemein durch ein ausgesprochen interessantes Preis-Leistungs-Verhältnis aus. Das macht die Region natürlich auch für die Konsumenten spannend. Ein eindrucksvoller Beweis für das große Interesse am Wagram und seinen Weinen war im Mai 2009 eine Präsentation von über 40 Wagramer Winzern in Wien. Mit über 1.500 Besuchern lag der Ansturm weit über allen Erwartungen. Von diesem Erfolg beflügelt, sind sich natürlich alle Winzer darüber einig, dass derartige Aktivitäten auch in Zukunft unbedingt ihre Fortsetzung finden sollten.

Die Profilierung des Weinbaugebietes Wagram als "Veltliner-Hochburg" wurde von der Wagramer Selektion maßgeblich mitgeprägt. Daneben sieht Bernhard Ecker für seine Selektions-Winzer aber auch Chancen für Sortenraritäten wie den Frühroten Veltliner (Malvasier) oder den Roten Veltliner. Auch die Burgunder-Weine bringen am Wagram regelmäßig tolle Qualitäten und sollen daher weiter forciert werden. Ideen und Ziele hat das Führungsteam der Wagramer Selektion noch viele: "Jetzt geht es darum, die Bekanntheit des Gebietes weiter auszubauen. Ein nächster Schritt muss auch die Verbesserung weintouristischer Angebote am Wagram sein", ist sich die Vereinsführung einig. "Nur wegen dem Wein alleine werden die Kunden in Zukunft nicht mehr zu uns kommen", so Bauer. Dementsprechend haben sich die Mitgliedsbetriebe der Wagramer Selektion auch dazu verpflichtet, an der Weiterentwicklung kulinarischer, wie touristischer Angebote aktiv mitzuarbeiten. Einige Selektions-Betriebe laden schon jetzt in ihren gemütlichen Heurigen ein oder bieten gemütliche Gästezimmer für einen erholsamen Aufenthalt.

Hoffnungsvolle Zukunft

Sichtbares Zeugnis für das gestiegene Selbstbewusstsein der Wagramer Winzer ist die kurz vor der Eröffnung stehende Gebietsvinothek in Kirchberg am Wagram. Ab Herbst 2009 werden im Kompetenzzentrum des Wagramer Weines die Produkte von über 50 Wagramer Winzern zur Verkostung und zum Verkauf angeboten. Natürlich sind auch die Weine aller 14 Selektions- Betriebe im Sortiment. Darüber hinaus wird die Gebietsvinothek auch die zentrale Anlaufstelle für alle Besucher, die den Wagram in all ihren Facetten entdecken wollen. Alle weiterführenden Informationen aus und über die Region sollen in der neuen Einrichtung gebündelt sein.
Obmann Bernhard Ecker nach seinen persönlichen Zukunftsperspektiven für die Vereinigung Wagramer Selektion befragt: "Irgendwann soll auf jeder Weinkarte eines renommierten Restaurants zumindest ein Wein aus der Wagramer Selektion aufscheinen!" Eigentlich ein bescheidenes Ziel, denn auf die Qualitäten der Weine bezogen, müsste dieser Wunsch eigentlich schon längst Realität geworden sein.